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Theaterkritik DIE MÖRDERGESELLSCHAFT Miesbacher Merkur
Theaterkritik Die Mördergesellschaft Mie
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Gute Unterhaltung mit der Jungen Bühne Miesbach und der "Mördergesellschaft"

 

Am Ende sind alle tot

 8.11.11 OVB Rosenheim


Und am Ende sind sie alle tot. Bei der Theateraufführung der Jungen Bühne Miesbach bleibt keiner der acht Schauspieler verschont. "Die Mördergesellschaft" von Robert Thomas hat sich Regisseurin Regina Weber-Toepel in diesem Jahr vorgenommen und mit einer engagierten Truppe umgesetzt. Nach einigen Auftritten in Miesbach präsentierten die Laiendarsteller ihre humorvolle Groteske auch auf der Bühne im Lokschuppen in Rosenheim.

 

Die Baronin (Ute Bauer) ist geschockt, als sie ihren Gatten (Michael Schwarzfischer, links) und Café-Besitzer Pitard (Helmut Enzinger) im Bett von Möchtegern-Chansonsängerin Julia findet.


 

Das Stück spielt in Frankreich, was allerdings keinerlei Einfluss auf die Handlung hat. Entscheidender ist der Stadtpark, in dem sich drei grundverschiedene Herren zufällig treffen und sich gegenseitig ihr Leid klagen. Als Sklaven werden sie gehalten, ausgenutzt, beschimpft, unterdrückt und verachtet - und schuld daran sind nur die Frauen. In einer besonders schweren Stunde beschließen der Baron de Grandterre, der Journalist Leo Barbize und Café-Besitzer Paul Pitard, ihre "drei Grazien aus dem amtlichen Register auszuradieren". Sie gründen eine Mörder-GmbH und haben alle Hände voll zu tun. Denn ausgeklügelte Alibis sind ein Muss, ebenso ein zeitlich präzise durchgeplanter Mordhergang. Trotz raffinierter Einfälle und größter Sorgfalt kommt alles anders als gedacht. Weder bei der Baronin de Grandterre, noch bei Julia Barbize oder Berthe Pitard kann der Mordplan in die Tat umgesetzt werden. Im Laufe der Zeit geschehen dann sonderbare Unfälle, bei denen die männlichen Mitglieder der Mörder-GmbH plötzlich selbst das Zeitliche segnen. Wie sich herausstellt, kamen diese "Unfälle" den Damen wiederum nicht ungelegen, denn auch sie hatten den Plan, ihre Männer zu ermorden. Als die erfolgreichen Mörderinnen ihren Sieg feiern, stoßen sie aber mit vergiftetem Portwein an und damit ist auch ihr Leben beendet.


In der Inszenierung der Jungen Bühne Miesbach sind die Rollen treffend besetzt. Die einzelnen Paare könnten unterschiedlicher nicht sein, in sich ergänzen sie sich allerdings wunderbar. Köstlich-witzig gibt Michael Schwarzfischer den verklemmten, hinterlistigen Baron de Grandterre, Ute Bauer steht ihm mit ihrer strengen und hysterischen Baronin in nichts nach. Ganz anders das junge Künstler-Ehepaar Barbize: Miriam Greiner als laszive Möchtegern-Chansonsängerin überzeugt ebenso wie Arthur Streiling als ihr aufbrausender, eifersüchtiger Mann und Träumer. Solide und bodenständig sind dagegen die Geschwister Pitard. Michaela Eder spielt ihre Berthe zugeknöpft und verklemmt, Helmut Enzinger gibt einen in sich ruhenden, aber verschmitzten Paul. Ein weiteres skurriles "Paar" ist ebenfalls Teil der Aufführung. Roman Postel als karrieresüchtiger Hauptmann Cesar Colombani, der seine Nichte Nenette streng überwacht und ihr nicht viel Freiraum lässt für eigene Entscheidungen. Vroni Weber spielt das unterdrückte Mädchen naiv-liebenswert.


Bemerkenswert an der Inszenierung ist die unkomplizierte, praktische und vielfältig einsetzbare Bühne (Leitung Bühnenbau: Roman Postel). Mit Hilfe einfacher drehbarer Kulissen gehen die vielen Schauplatzwechsel ohne große zeitliche Verzögerungen. Auch Maske und Kostüme der Darsteller sind gelungen. Unterstützt werden die Schauspielerinnen und Schauspieler von Katrin Stadler an Gitarre und Klarinette und Christian Gemmer am Keyboard. Mit kurzen Einspielungen unterstreichen sie das Geschehen auf der Bühne zurückhaltend, aber effektiv.


Insgesamt ist die Aufführung der Jungen Bühne Miesbach flott, witzig und ansehnlich, in der zweiten Hälfte hätten allerdings kleine Kürzungen nicht geschadet. Das überraschende, witzige Ende macht dann einige langatmige Passagen aber wieder gut.